gedankenart_carinamaehler17

Vom alter Ego & dem plakativen Glück

Texte

Hätte mir jemand vor drei Jahren gesagt, dass alles gut wird, hätte ich mit den Schultern gezuckt, aus zwei „’ja’s” ein Wort gemacht, während dessen die Augen leicht verdreht und gefragt, ob er es nicht noch etwas plakativer ausdrücken möchte. Heute glaube ich, dass alles gut sein kann. Dass der Grundwert der Gefühle stimmen kann. Für mich ist das beste Verarbeitungsmanagement das Schreiben. Das Setzen von Punkten, von Ausrufezeichen und manchmal auch von Fragezeichen. Das habe ich irgendwann für mich entdeckt und Tatsache, es hilft. Aber was ist es, was gerade fehlt?

Der gute Stoff. Alle Thematiken, die Dinge, die mich beschäftigt haben, das was mich zum Schreiben gebracht hat, die Probleme die wirklich da waren oder die, die ich mir nur in meinem Kopf konstruiert habe, alle Ex-Menschen, Geschichten und alle mal mehr oder weniger wichtigen Personen, die irgendwas in mir bewegt haben, sind in sämtlichen Texten rauf und runter verarbeitet. Alles was irgendwann mal störend in meinem Kopf fest hing, ist auf Papier gebracht. Auf eine seltsame Art und Weise ist alles im Reinen. Bin ich mit mir im Reinen. Ich glaube, das nennt man Zufriedenheit. Könnte sein. Dieser Zustand und ich, wir haben noch nicht so oft Bekanntschaft gemacht. Aber es fühlt sich gut an. So ein Satz aus meinem Kopf. Ja. Soweit, so gut.

Rückblickend betrachtet drehen sich die meisten meiner Texte um mich oder um die Menschen, die etwas in mir an- oder ab und zu auch ausstellen. Vielleicht braucht mein Geist diese Form von Egoismus, um schwarze Zahlen zu schreiben, um das Bruttoinlandsglück zu steigern. Und wie schön, dass die Ergüsse aus Höhen, in der Mehrheit Tiefen, auf meiner Suche nach dem plakativen Glück, sogar ab und zu ganz gerne auch mal jemand liest.

Bleibt momentan trotzdem die Frage nach dem guten Stoff zum Schreiben. Mein gutes Zeug schreiben meine schlechten Momente. So war das bisher immer. Gedankenarttechnisch bin ich aber offen für Neues. Vielleicht probier’ ich es mal mit guten Zeilen aus guten Zeiten? Das wären dann diese atmosphärisch positiv klingenden Texte, die sonst immer von den anderen verfasst werden. Doch bevor diese Überlegung überhaupt anfangen kann auszureifen, kommt mein Karma um die Ecke und schaut mich mit verschränkten Armen kritisch an. Ich solle es nicht gleich übertreiben. Ehe ich mich versehe hänge ich in den Stunden dieses Abends fest. Das war’s. Das Grundgefühl war gut. Bis eben. Ich spüre diesen dunkelgrauen Schleier, der so lang an mir hing. Er hat genau dieselben Zweifel dabei, die er immer im Schlepptau hatte. Sie laufen in Reih und Glied brav hinter ihm her und verfolgen mich und jeden meiner Gedanken. Ich spüre die tonnenschwere Last von damals links und die klebende Angst von früher rechts auf meinen Schultern. Nein, das hier fühlt sich nicht gut an. Was hierfür gereicht hat, ein entfernter Blick aus einer Menschenmenge, von jemandem der inzwischen ungewollt extrem weit weg ist. Es reicht ein Song in meiner Zufalls-Playlist, der mich an Dinge erinnert, an die ich nicht mehr denken wollte. Es reicht ein Blick auf das Datum, um zu merken, was für ein Tag ist und was ich damit verbinde. Es reicht manchmal ein kleines Missverständnis und ein blöder Zufall, um sich wieder in alten Mustern zu kleiden.

Ich merke, das hier ist ein Rückfall, ich besorge mir, ohne es steuern zu können, wieder was von dem guten Stoff. Und das, das fühlt sich gerade nach allem an, aber nicht richtig. Es fühlt sich an wie damals.

Doch bevor ich der Verführung verfalle in alten matt-schwarzen Truhen zu kramen und Gedanken auszuformulieren, die schon sieben-spurig durch meinen Kopf rasen, steht mein Alter Ego vor mir, nimmt mich in den Arm und zieht den grauen Schleier von mir. Es erklärt mir, dass ein Rückfall okay sei. Ein Rückschlag sei in Ordnung, so lange er nicht härter zuschlägt. Es entschuldigt sich und erklärt mir, dass es für all die Dinge gesorgt hätte, die mir gerade passiert sind. Es wollte nicht vergessen werden. Ich würde ja selbst wissen, wie es ist, vergessen zu werden. Es erklärt mir, dass ich manche Eigenarten behalten soll, weil sie mich ausmachen und dass ich das mit den positiven Zeilen ruhig mal ausprobieren solle. Diese alte Form von meinem Ich verspricht mir, dass es nie ganz abhauen würde, weil es eben ab und zu mal Hallo sagen möchte. Es hat wohl angefangen mein heutiges Ich zu mögen. Und auch wenn das nicht wirklich auf Gegenseitigkeit beruht, ist das okay. Denn zum Schluss verrät es mir, dass mein bisher vorsichtiges Gefühl emotional angekommen zu sein, mich nicht täuscht und wir beschließen zusammen an einer Eigenkreation unseres plakativen Glücks zu arbeiten. Ich merke, der Grundwert meiner Gefühle, der stimmt.