gedankenart_carinamaehler9

Dunkelroter Nachgeschmack

Texte

Ich wache auf. Mein Blut färbt sich dunkel. Dein Farbton. Ich spüre deinen kalten Atem und beobachte, wie sich der letzte Tropfen Wein von gestern Abend im Morgengrauen auf den Fliesen spiegelt. Ich stehe auf. Die Fliesen sind Eis und mir ist kalt. War dein Wohnzimmer immer schon so beklemmend? Ich hebe die Flasche auf, mache sie leer. Ein letzter Schluck. Der Nachgeschmack läuft mir den Hals runter. Bitter. Irgendwas tut weh.

Ich fahre los. Ein letztes Mal, weg von dir und deiner dunkelroten Verführung. Ein letztes Mal. Wie jedes Mal. Wenn das hier ein Spiel gewesen wäre. Hättest du gewonnen. Wenn es ein Überfall gewesen wäre, hättest du mich ausgeraubt. Bis auf meinen letzten Herzschlag. Rastlos. Angekommen steh ich machtlos mit dem Rücken zur Wand. Bin gelähmt und geleert von dir, sehe nichts mehr von mir. Sieh sie dir an, meine Angriffsfläche ohne Ende. Doch zu holen gibt’s hier nichts mehr. Mit jeder geleerten Flasche und mit jedem Besuch bei dir, ging ein Stück von mir.

Weil mit dir jeder Wein schmeckt.
Weil keiner besser schmeckt als du.
Ein letztes Mal. Cheers.
Wie jedes Mal. Ein allerletztes Mal.

Nicht, auf uns.